Ein Haus das Haltung lebt
Wenn Worte in Taten übergehen, entsteht etwas Besonderes. Genau das war bei der Eröffnung der BioAkademie am 27. Februar in Seeham spürbar. Ungezwungen war die Atmosphäre, persönlich die Begegnungen, charmant die Gespräche. Es wurde viel gelacht. Und doch war da diese klare Haltung, die den Raum getragen hat: Hier sind Idealistinnen und Idealisten versammelt, die nicht nur über Bio sprechen, sondern es leben.
Ein wachsender Campus mit Strahlkraft
Die BioAkademie ist Teil des BioArt Campus in Seeham, einem Ort, der sich Schritt für Schritt zu einem Leuchtturm für nachhaltige Entwicklung im Salzburger Seenland entwickelt. Gut besucht war die Eröffnung, der Campus wächst, das Netzwerk ebenso.
Seeham gilt heute als kleinste Bio Gemeinde Europas und wurde von der Europäischen Union als Organic City ausgezeichnet. Rund 2.000 Einwohnerinnen und Einwohner, viele davon ehrenamtlich engagiert, tragen diese Idee mit. Das, was hier im Haus gelebt wird, wird nach außen getragen. Nicht als Marketing, sondern als Selbstverständnis.
Visionäre am Wort
Wenn man über die BioAkademie spricht, kommt man an einer Familie nicht vorbei, den Rosenstatters.
Hermann Senior hat seinen Söhnen Robert und Hermann früh vorgelebt, wie biologische Landwirtschaft funktionieren kann und wie gut sie funktionieren kann. Nicht als Ideologie, sondern als gelebte Praxis. Als wirtschaftlich tragfähiges Modell. Als Haltung.
Robert Rosenstatter ist Vorstandsvorsitzender der BioArt AG und Geschäftsführer des BioArt Campus. Er zählt zu den zentralen Initiatoren des Campus und treibt dessen Entwicklung als Ort für Innovation, Vernetzung und Bewusstseinsbildung konsequent voran. Mit der BioArt steht er für hochwertige Bio Produkte mit klarem Genussanspruch und transparenter Herkunft.

Sein Bruder Hermann Rosenstatter Junior führt mit seiner Familie die biologische Landwirtschaft weiter und ist Gastgeber im Bio Hotel Schiessentobel in Seeham. Hoch über dem See gelegen verbindet das Haus Bio Kulinarik, Seminarbetrieb und landwirtschaftliche Verwurzelung auf natürliche Weise.
Durch den Vormittag führte Thomas Wallner Obmann vom Verein Vermarktungsgemeinschaft Biodorf Seeham, der mit seiner Frau die Salzburger Ölmühle betreibt. Im BioArt Campus entstehen dort hochwertigste Öle in Bio Qualität – kalt gepresst, mit viel Handwerk und Bewusstsein für Rohstoffe.
Seine Worte waren bodenständig, mit viel Schmäh und und viel Wertschätzung für das, was hier entstanden ist.
Die operative Leitung der BioAkademie liegt bei Brigitte Schlögl. Mit viel Gespür für Menschen, Inhalte und Vernetzung formt sie die Akademie zu einer Bildungs und Erlebnisplattform, die Wissen nicht nur vermittelt, sondern erfahrbar macht.
Die BioAkademie versteht sich nicht als reiner Seminarraum. Sie ist Treffpunkt. Dialograum. Impulsgeber.
Viele bekannte Gesichter aus Wirtschaft und Politik waren anwesend. Vertreterinnen und Vertreter von Bio Austria, aus dem Leader Projekt Nieder Salzburger Seeland, aus der Gemeinde Seeham, Landespolitik, Heumilch, Brauwirtschaft, Großhandel.
Was auffiel: Es war keine steife Eröffnung. Es war ein Zusammentreffen von Menschen, die sich seit Jahren kennen, gemeinsam ringen, gemeinsam gestalten.
Schon früh gab es im Salzburger Seenland Menschen, die sich gegen Spritzmittel und industrielle Landwirtschaft aufgelehnt haben. Idealisten, die belächelt wurden. Die nicht lockerließen. Dann kamen die ersten Reformen in der Landwirtschaft. Bio begann langsam Fahrt aufzunehmen. Nicht ohne Widerstände. Nicht ohne Gegenwind.
Heute stehen viele Idealistinnen und Visionäre gemeinsam in der größten Heumilchregion Europas. Bäuerinnen und Bauern, Unternehmerinnen und Unternehmer, politische Entscheidungsträger, engagierte Bürgerinnen und Bürger. Eine ganze Region, die Verantwortung übernommen hat.
Und was deutlich wurde: Auf Preise, Auszeichnungen und Zertifizierungen wird sich hier nicht ausgeruht. Weder heute noch in Zukunft. Sie sind Anerkennung, aber kein Ziel. Hier wird weitergearbeitet. Weitergedacht. Weitergekämpft. Für biologische Landwirtschaft. Für Genuss. Für hochwertige Produkte. Für ganze Regionen, die sich bewusst für eine biologische Lebensweise entscheiden.
Als Pionier und Mitbegründer wurde auch Sepp Schwaiger gewürdigt, dessen Nachfolger sich der Verantwortung dieses Amtes bewusst zeigt. Der Landesrat Maximilian Aigner betonte in seiner Ansprache, wie wichtig das bewusste Zusammenkommen ist. Erlebnis, Qualität und Verantwortung müssten Hand in Hand gehen. Die BioAkademie sei fruchtbarer Boden für neue Impulse und ein starkes Signal für eine Landwirtschaft mit Zukunft.
Der Bürgermeister von Seeham Christian Altendorfer sprach mit spürbarer Bodenhaftung. Er sehe sich nicht als oberster Entscheidungsträger, sondern als Mitarbeiter seiner Gemeinde. In Kindergarten und Schule werde selbstverständlich Bio Qualität aus der Region gelebt. Gesunde Jause und Mittagessen sind hier kein Projekt, sondern Alltag. Vorbild sein beginne im Kleinen.
Vielleicht war genau das der Kern dieses Vormittags: Eine Region, die sich ihrer Geschichte bewusst ist. Die ihre Wurzeln kennt. Und die dennoch nicht stehen bleibt.

Wirkungspartner mit großer Strahlkraft
Vorgestellt wurden auch die Wirkungspartner, ein starkes Netzwerk aus Wirtschaft und Landwirtschaft, das die BioAkademie mitträgt:
ARGE Heumilch – Reinheit und Kulturlandschaft
Die Obfrau der ARGE Heumilch Christine Schwarzenberger sprach über die besondere Qualität der Heumilch. Kühe, die ausschließlich mit Heu und Blumen gefüttert werden, liefern eine Milch von außergewöhnlicher Reinheit. Ideal für die Verarbeitung in der Käserei, vor allem für Rohmilchprodukte.
Heumilch ist mehr als ein Produkt. Sie erhält Kulturlandschaften, sie steht für Transparenz und für Information gegenüber Konsumentinnen und Konsumenten. Nur etwa 15 Prozent der Milchbetriebe arbeiten als Heumilchbetriebe. Eine elitäre Runde, wie es augenzwinkernd hieß, aber vor allem ein starkes Sprachrohr für Qualität.
Privatbrauerei Sigl – Austausch statt Wirtshaussterben
Auch Josef Sigl betonte, wie wichtig Orte des Austauschs geworden sind. In Zeiten des Wirtshaussterbens brauche es Räume der Begegnung. Bier hat sich dabei schon damals als verbindendes Element bewährt.
Es ging um Wertschätzung von Lebensmitteln, um neue Impulse, die über die Grenzen hinausgehen. Sogar Haferdrink fand seinen Platz in den Gesprächen. Und immer wieder war da die Bewunderung für Seeham, für den Mut, gemeinsam neue Wege zu gehen.
BioGast – Bio wirkt
Horst Moser von BioGast verwies auf die Initiative Bio wirkt und die gemeinsame Entwicklung von Standards und Transparenz. Als Mitentwickler bringt BioGast nicht nur Produkte, sondern auch Haltung ein.
Ein Haus, das Haltung sichtbar macht
Die BioAkademie versteht sich als Bildungs- und Erlebnisplattform. Sie schafft Raum für Austausch, Wissenstransfer und Inspiration. Für Produzentinnen und Produzenten, für Konsumentinnen und Konsumenten, für junge Menschen, für Entscheidungsträger.
Mit Blick auf die kommenden Seehamer Biotage im Herbst wurde deutlich: Das hier ist kein punktuelles Projekt. Es ist Teil einer Bewegung.
Was an diesem Abend spürbar war, lässt sich schwer in Zahlen fassen. Vielleicht so: Viele Menschen in einem Raum, vereint durch die Überzeugung, dass Verantwortung, Qualität und Gemeinschaft kein Trend sind, sondern eine Haltung. Und dass diese Haltung, wenn sie im Haus gelebt wird, weit über die Türen hinauswirkt.
















