Kein Schnickschnack. Einfach Blasiwirt.

Landgut Blasiwirt, St. Michael im Lungau

Der Blasiwirt erzählt eine lange Geschichte. Und sie beginnt nicht spektakulär, sondern genau dort, wo sie bis heute ihren Mittelpunkt hat: in der Gaststube. Wenn sich Hausherr Hannes Mayr kurz dazusetzt, wird diese Geschichte greifbar. Man hört zu, lehnt sich zurück und lauscht.

Der Blasiwirt, oder besser gesagt das Blasigut, da es aus mehreren Häuschen besteht steht zentral im Ort. Wobei Ort fast zu groß klingt. Fell ist ein Weiler, wie man in Österreich sagt. Ein paar Häuser, mehr nicht. Gerade deshalb war Orientierung wichtig. Am vordersten Haus ist nach wie vor eine Art Kirchturmuhr angebracht, aber mehr dazu später.

Dass der Kern des Blasiwirts bis heute die Gaststube ist, passt genau dazu. Der Betrieb begann als Gasthaus, nicht als Hotel. Erst später kamen die Zimmer dazu. Rund um den Ort des Zusammensitzens ist alles gewachsen. Gebäude kamen hinzu, Nutzungen änderten sich, aber das Herz blieb dasselbe.

Im Jahr 1901 kam das Blasiwirt-Anwesen in den Besitz von Johann Mayr und seiner Familie. Wirtshaus und Landwirtschaft waren von Beginn an die zwei Standbeine. Daneben wurden eine Schnapsbrennerei und sogar eine Greißlerei betrieben. Der Blasiwirt war mehr als ein Gasthaus, er war Teil des täglichen Lebens im Weiler.

1973 errichtete Walter Mayr den Gasthof in seiner heutigen Form. Der alte Gasthof blieb bestehen, dort sind bis heute Landwirtschaft und Wohnräume für Familie und Mitarbeitende untergebracht. Seit 2004 führt Hannes Mayr den Betrieb in vierter Generation. Und während neue Ideen dazukommen, ist die Vergangenheit immer spürbar. Auch, weil die Mama noch durchs Haus huscht und neue Gäste begrüßt.

Wenn der Blasiwirt einmal geschlossen ist, nutzt die Familie diese Zeit für Reisen und sportliche Aktivitäten. Doch in einem dieser ruhigeren Sommer entstand ein Projekt, das Geschichte und Gegenwart verbindet. Das alte barocke Ziffernblatt, das sich im Heimatmuseum befand, sollte restauriert und wieder angebracht werden.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde viel bäuerliche Kunst geraubt. Dieses Ziffernblatt blieb zurück, vermutlich weil es bereits stark beschädigt war. Jahrzehnte später bekam Hannes das Ziffernblatt vom Museum zurück und ließ es restaurieren. Ein Stück Geschichte fand so wieder seinen Platz.

Heute ist der Blasiwirt ein Ort der Herzlichkeit und Ruhe. Kein Schnickschnack, keine Inszenierung. Nett im besten Sinn. Traditionell, ohne stehen geblieben zu sein. Viele Gäste kommen seit Jahrzehnten. Manche seit über 30 Jahren. Das Ehepaar Mayr dreht seine Runden durchs Haus, setzt sich auch einmal an den Tisch dazu, hört zu, erzählt. Der Kontakt ist eng, persönlich und selbstverständlich.

Auch die Lage erzählt Geschichte von Alltagstauglichkeit. Durch das Lungau Shuttle und der Busverbindung nach Salzburg ist der Blasiwirt gut ohne Auto erreichbar. Wer möchte, fährt damit nach Obertauern oder in eines der umliegenden Skigebiete. Wer mit dem Auto anreist, braucht keine zehn Minuten ins nächstgelegene Skigebiet. Kurz & unkompliziert. Wer einen Ort Sucht ohne Aprés Ski Trubel, Hotels die sich aneinanderreihen und im Urlaub einfach Skifahren und Relaxen möchte, ist bei den Mayrs perfekt aufgehoben.

Zum Hof gehört auch der Blasiteich, ein eigener Badesee, im Sommer zum Abkühlen, im Winter ein stiller Ort für einen Spaziergang. Rund 15 Minuten zu Fuß vom Haus entfernt. 40 Hektar Landwirtschaft, davon 35 Hektar Wald werden von Bruder, Mutter und Hannes selbst bewirtschaftet. Nicht nur Zweibeiner leben am Landhotel auch Esel, Ziegen, Scharfe, die als Rasenmäher Ersatz dienen, Hühner, Hasen, Katzen, ein Pony und zwei Schweine. Forellen schwimmen im eigenen Fischteich.

Fragt man Hannes nach einem Tierrating, ist die Antwort klar. Die Hasen führen die Beliebtheitsskala an, dicht gefolgt von Esel, Schweine & Katzen.

Der Lungau selbst ist seit jeher eine Region für Aktive. Doch was ihn im Sommer wirklich besonders macht, sind seine Bergseen. Über 60 glasklare Bergseen liegen hier verstreut zwischen Almen, weiten Tälern und sanften Gipfeln. Sie sind das stille Markenzeichen der Region.

Viele dieser Seen liegen auf Höhen zwischen 1.800 und 2.000 Metern, eingebettet in eine Landschaft, die offen und weit wirkt. Manche erreicht man auf kurzen Wanderungen, andere im Rahmen von Tagestouren. Oft verbindet ein Weg mehrere Seen miteinander. Man geht, bleibt stehen, schaut, setzt sich ans Ufer. Manche der Bergseen laden an warmen Tagen sogar zu einer kurzen Abkühlung ein. Still, klar, unverfälscht.

Rund um diese Seenlandschaft erstrecken sich weite Täler und zahlreiche bewirtschaftete Hütten, die den Lungau seit jeher prägen. Orte zum Einkehren, zum Verweilen, zum Jausnen. Dazu kommt ein dichtes Netz an Wegen für alle, die sich gern auf zwei Rädern bewegen. Mountainbiken, Gravelbike-Routen durch die Landschaft und ideale Bedingungen für Rennradfahrer machen die Region abwechslungsreich, ohne laut zu sein.

Das Landgut Blasiwirt liegt mittendrin. Als Ausgangspunkt für aktive Tage, als Rückzugsort danach. Alles ist da, was man braucht. Und nichts drängt sich in den Vordergrund. Genau das macht den Lungau aus. Und genau deshalb bleibt man gern länger.

Zum Schluss noch eine kleine Geschichte, die gut zum Blasiwirt passt. Gemeinsam mit Hannes war ich auf der Eachtlingstour unterwegs, einer kurzen Skitour auf das Tschaneck. Ihren Namen trägt sie, so erzählt man sich in St. Michael, weil eine Hausfrau vor dem Losgehen einen Topf mit Kartoffeln auf den Herd gestellt hat. Als sie von der Tour zurückkam, waren sie fertig gekocht. Eine Feiertagsrunde, ruhig, schön und schnell zu bewältigen. Hannes serviert in der Früh das Frühstück, erledigt noch Administratives, geht zwischendurch auf Skitour und steht pünktlich wieder in der Küche, wenn es Zeit ist, das Abendessen vorzubereiten.

Dass das Essen hier einen hohen Stellenwert hat, merkt man sofort. Beim Blasiwirt gibt es Halbpension, zum Großteil mit biologischen Lebensmitteln, regional gedacht und ehrlich gekocht. Keine Show, sondern Qualität, die sich sehen und schmecken lassen kann. Genau wie alles andere hier.

Und dann ist da noch das Thema Bio im Lungau. „Kemmts eina – mia gfrein ins auf enk!“ ist das Motto von sechs bäuerlichen Betrieben und zwei Kleingewerben, die ihre Produkte im Kemmts Eina am Tamsweger Marktplatz verkaufen. Der Bauernladen steht für regionale Lebensmittel, kurze Wege und transparente Herkunft. Eine Haltung, die auch beim Blasiwirt gelebt wird.

Hannes folgt dabei einer klaren Devise. Lieber weniger Geld in aufwändige Umgestaltungen stecken. Das Haus ursprünglich und basic lassen. Dafür hochwertige Produkte einkaufen und vor allem einheimisches Personal gut bezahlen. Eine Haltung, die man eigentlich nicht erklären muss. Man merkt sie. Und man schmeckt sie.